Humor in Therapie und Beratung

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Immer wieder im Austausch mit Kolleg:innen berichten wir uns gegenseitig von lustigen Szenen innerhalb der Beratung oder Therapie. Neben der eigenen Psychohygiene – man kann auch als Therapeutin Spaß haben im Beruf, selbst wenn die Themen noch so schwer sind – finde ich es auch für die Klient:innen oder Patient:innen besonders wichtig, dass Raum fürs gemeinsame Lachen entstehen darf. Gerade der analytischen Psychotherapie wird immer wieder vorgeworfen, sie sei „bierernst“. Deshalb möchte ich den heutigen Beitrag dem Thema Humor in Therapie und Beratung widmen und meine Gedanken und Erlebnisse aus der Praxis dazu teilen.

Humor als Abwehr

Lange Zeit wurde vor allem mit der psychodynamischen Therapie verbunden, dass sie Humor in der Therapie als etwas ablehnt, das den Prozess behindert. Ich erlebe immer wieder, dass Kolleg:innen aus anderen Fachrichtungen noch heute dieses Bild haben und finde das sehr schade. An dieser Stelle sei daher gesagt: ja, Humor ist eine Form der Abwehr. Das bedeutet, das unaufhaltsame oder unangenehme Gefühle damit von uns fern gehalten werden können. Aber an sich ist eine Abwehr nichts verwerfliches, im Gegenteil, jeder gesunde Mensch hat sie und nutzt sie täglich erfolgreich. Schwierig wird es erst da, wo unsere Abwehr uns zur Gefangenen der eigenen Muster macht und wir nicht mehr anders KÖNNEN. In der Therapie geht es aber eben auch darum, diese Abwehr zu betrachten, zu hinterfragen und gegebenenfalls neue Alternativen zu alten Mustern zu erarbeiten. Wenn das mit einem gemeinsamen Lachen verbunden werden kann, das auch noch die therapeutische Beziehung stärkt, dann ist das eine klassische win-win-Situation.

Humor als Entlastung

Neben der gemeinsamen Regulation von Gefühlen kann Humor auch eine Entlastung in zwischenmenschlichen Beziehungen sein. Denn er ermöglicht es uns, eine schwierige Botschaft schön verpackt zu senden. Oft kann man sich dadurch ein Hintertürchen offen halten oder einmal ausprobieren, ob das Gegenüber mit der eigenen Rückmeldung umgehen kann, ohne denjenigen zu verletzen. Und manchmal sind schwierige Situationen erträglicher, wenn man das Bedrückende daran gemeinsam Weglachen darf.

Humor bedeutet nämlich auch, nicht alles ernst und persönlich nehmen zu müssen. Es kann auch eine Chance sein, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und mal zu erleben: hier ist meine Grenze, das verletzt mich jetzt. Das kann Themen aufdecken: warum verletzt mich das? Was brauche ich? Und mit der Beantwortung dieser Fragen zu mehr Leichtigkeit im Leben führen. Und das bedeutet im Zweifel, auch sich selbst mal nicht so ernst zu nehmen.

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