Rassistische Diskriminierung & ihre Auswirkung auf unser Stresssystem

Rassistische Diskriminierung & ihre Auswirkung auf unser Stresssystem

Lesedauer: 3 Minuten

Unser Stresssystem ist ein natürliches, den Körper regulierende System, das auf kurzfristige Maximalbelastung ausgelegt ist. In diesen Situationen funktioniert es wunderbar. Wir sehen uns mit einer Bedrohung konfrontiert, der Körper unterstützt uns im Kämpfen oder Fliehen indem er Energie bereitstellt. Wir bauen diese Energie durch Aktivität wieder ab. Was aber, wenn wir einer Dauerbelastung ausgesetzt sind, die nie aufhört? Menschen, die von rassistischer Diskriminierung betroffen sind, haben genau dieses Problem. Deshalb möchte ich heute näher beleuchten, was Rassismus und Stress eigentlich für den Körper und die Seele bedeutet.

Volkskrankheit Stress

Stress haben wir eh schon alle. Oft wird Stress sogar als Volkskrankheit bezeichnet. Gemeint ist, dass die meisten Menschen heute unter Dauerbelastung leben, das Stresssystem also ständig aktiv ist. Gleichzeitig bewegen wir uns zu wenig, die Energie (die uns Stresshormone wie Adrenalin zur Verfügung stellen) kann also nicht abgebaut werden. Das ist schon für die Durchschnittsperson ein Problem. Erwiesenermaßen macht uns das krank. Die Folge: Burnout, Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Verdauungsbeschwerden, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel und und und. Im Grunde genommen kann jedes System, das bei Stress aktiviert wird, betroffen sein.

(unsichtbare) Zusatzbealstung Rassismus

Was aber, wenn zum ohnehin schon krank machenden Dauerstress unseres täglichen Lebens noch etwas dazu kommt? Etwas, das die meisten anderen Menschen weder erleben noch sehen wollen, oft sogar (ungewollt oder unbewusst) dazu beitragen? Menschen, die von rassistischer Diskriminierung betroffen sind, haben genau dieses Problem. Denn diese Zusatzbelastung ist ein Faktor, den sie nicht beeinflussen können. Und trotzdem versucht er einen enormen Stress, dem sie jeden Tag ausgesetzt sind. Ein Stress, der ausgeglichen werden muss. Und genau dieses Ausgleichen erfordert Kraft und aktive Auseinandersetzung damit. Eine Aufgabe, die genau die Personen leisten müssen, die eh schon stärker belastet sind durch ihre Mitmenschen als Andere.

Viel Arbeit für den gleichen Stand

Diese Zusatzaufgabe führt ja noch nicht einmal dazu, dass es den Betroffenen viel besser geht als ihren Mitmenschen. Sie müssen diesen Stress ausgleichen, den sie nicht verursacht haben und auch nicht beenden können, nur um auf dem gleichen Stand zu sein wie ihre nicht betroffenen Mitmenschen. Und das Ganze hat auch noch auf anderen Ebenen Folgen.

Der Einfluss von Zuschreibungen

Denn auch gut gemeinte Zuschreibungen wie “du bist so eine starke Person” oder “du schaffst alles” könne Druck erzeugen. Eine Person, von der erwartet wird, dass sie stark ist, hat unter Umständen mehr Schwierigkeiten, um Hilfe zu fragen. Oder wird auch dafür wiederum abgewertet. Was andere über diese Person denken, aber auch was sie über sich selbst denkt, kann noch zusätzlich zur alltäglichen Diskriminierung Leid verursachen.

Gesundheitliche Versorgung

Der Einfluss von strukturellem Rassismus im Gesundheitssystem auf dieses Problem könnte mehrere Blog-Beiträge füllen, sollte hier aber trotzdem erwähnt werden. Denn oft genug erleben Betroffene dann dort, wo sie eigentlich Unterstützung suchen und auch finden sollten, erneute Diskriminierung. Das macht es extrem belastend, die eigene Gesundheit zu erhalten. Denn das Vertrauen in das Gesundheitssystem geht – zu recht – verloren. Und bei einer ohnehin schon bestehenden Knappheit von Therapieplätzen haben Betroffene erst recht ein Problem. Was machen dann also Betroffene?

Tabuthema struktureller Rassismus im Gesundheitssystem

Bis heute ist die Auseinandersetzung mit diesem Thema so wenig öffentlich, dass es kaum ein Verständnis für die Nöte der Betroffenen gibt. Ganz selten einmal finden sich vereinzelte Therapeut:innen, die sensibel für dieses Thema sind. Hier braucht es dringend Aufklärung und Sensibilisierung. Und diese Last sollte nicht auch noch den Betroffenen zufallen. Wenn man sich die Kosten anschaut, die rassistische Diskriminierung im Gesundheitssystem verursacht, wird klar: das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Dass wir unseren Mitmenschen Stress verursachen, schadet uns allen. Und deshalb sollte es auch die Gesellschaft lösen, nicht die Betroffenen. Zumindest müssen wir anfangen, darüber zu sprechen!

Ich biete meinen Kurs “Stressbewältigung durch Achtsamkeit” deshalb auch ausschließlich für Menschen mit Rassismuserfahrung an, um wenigstens dort einen safer Space zu schaffen. Wo dabei die Grenzen liegen, darüber spreche ich in diesem Beitrag.

Mehr Aufklärung zum Thema Rassismus findet sich u.a. bei Tupoka Ogette.

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