Spiritualität & Religion in Beratung und Therapie

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In der Therapie oder Beratung geht es ganz klar nicht um mich als Therapeutin. Statt meine Wertvorstellungen und Ansichten auf das Leben der Hilfesuchenden anzuwenden, versuchen wir gemeinsam, deren eigene Werte und Normen zu ergründen. In diesem Zusammenhang ist das Thema Spiritualität und Religion als sehr große Ressource vieler Menschen eines von Bedeutung in jeder Beratung oder Therapie.

Gemeinsame Grundregeln

Zu allererst das Naheliegende: Religionen oder Glaubensrichtungen geben uns eine Sammlung an gemeinsamen Regeln vor. Im Christentum sind das z.B. die 10 Gebote. Bekenne ich mich (öffentlich oder vor mir selbst) zu einer Religion, geht das meistens auch damit einher, dass ich mich diesen Regeln verpflichtet fühle. Und dadurch entsteht ein nicht zu unterschätzendes Gemeinschaftsgefühl. Es kann sehr wohltuend sein zu wissen, dass es Menschen gibt, die versuchen ihr Leben nach den gleichen Grundregeln auszurichten wie ich. Das kann einerseits ein Halt sein, den ich im Gemeinschaftsgefühl finde, andererseits aber auch Sinn fürs Leben geben.

Halt und Zuflucht

Vor allem der Frage, weshalb die Welt so ungerecht ist, gibt die Religion immer wieder Raum. Ob in Form der Theodizee oder in der buddhistischen Erkenntnis, dass Leben Leiden bedeutet, diese Auseinandersetzung begegnet uns immer wieder. Und ganz ähnlich wie in einer Therapiesitzung geht es gar nicht um die Antwort auf die Warum-Frage. Vielmehr geht es darum, dass jede:r einzelne von uns seine persönliche Antwort darauf finden kann. Und für diesen Prozess eine Begleitung bereitzustellen.

Welterklärung und Sinngebung

Die Auseinandersetzung mit den Ungerechtigkeiten der Welt und das Ausrichten des eigenen Lebens nach bestimmten Grundregeln führt dazu, dass wir einen Sinn in unserem Leben entdecken können. Viele Religionen und auch verschiedene Formen von Spiritualität bieten eine Erklärung dafür an, warum die Welt so ist, wie sie ist. Viele Menschen finden darin einen Auftrag für sich selbst und können ihr Leben so für sich selbst sinnhaft ausrichten.

Ersatzreligionen

Neben den klassischen Religionen wird vielerorts auch von Achtsamkeit, Yoga, Sportarten u.v.m. als Ersatzreligionen gesprochen. Nun kann man sich als Anhänger:in einer der Bewegungen darüber ärgern, welche Abwertung in der Formulierung steckt- sowohl der eigene Sport als auch die Religion werden schließlich belächelt. Oder man lenkt die Aufmerksamkeit darauf, dass alle diese Dinge ganz bedeutende Ressourcen im Leben eines Menschen sein können. Und nutzt die Gelegenheit, für sich selbst zu prüfen, ob man selbst Ersatzreligionen hat, welchen positiven Einfluss diese auf das eigene Leben haben und welche der Funktionen von Religionen mir noch fehlen.

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