Selbstfürsorge – Egoismus oder Sauerstoffmaske?

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In den meisten Therapien geht es irgendwann um den Selbstwert. Und in Zusammenhang damit auch um die Frage: Wie gehen Sie eigentlich mit sich selbst um? Wir sprechen dann also über Selbstfürsorge. Und dann kommt auch immer gleich die Frage auf: ist das nicht egoistisch?

Ich bemühe dann oft den Vergleich der Sicherheitsinstruktionen im Flugzeug. Bei diesen Anweisungen heißt es zu den Sauerstoffmasken: „Setzen Sie zuerst die eigene Maske auf und helfen Sie dann Anderen beim Anlegen“. Das leuchtet jedem ein, denn ohne Sauerstoff wird man schnell ohnmächtig und kann dann gar niemandem mehr helfen. Ich finde den Vergleich insofern sehr passend, weil diese Handlung zunächst egoistisch erscheint, aber überhaupt nicht sein muss. Im übertragenen Sinn ist also die Selbstfürsorge eine Sauerstoffmaske der Psyche. Wie kann sie also gelingen, die Selbstfürsorge?

Selbstfürsorge ist nicht nur Schokolade auf dem Sofa

Selbstfürsorge meint, dass wir fürsorglich mit uns selbst sind. Das bedeutet nicht, dass ich ganz hedonistisch nur das tue, was mir Lust bereitet. Im Gegenteil, es geht um die Wertschätzung, Erhaltung oder den Aufbau der eigenen Gesundheit. Das kann manchmal bedeuten, dass Sie sich eine Weile durch etwas Unangenehmes durch quälen um letzten Endes etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Das beste Beispiel dafür ist wohl moderate Bewegung und Sport.

Jetzt komme ich

Selbstfürsorge bedeutet nicht, die eigenen Bedürfnisse unreflektiert über die von anderen zu stellen. Es geht nicht darum, dem eigenen Umfeld abzuverlangen, dass man von nun an im Mittelpunkt steht. Oder die eigenen Bedürfnisse immer an erste Stelle zu setzen. Häufig geht es einfach nur darum, die eigenen Bedürfnisse überhaupt zu spüren und – vielleicht zum ersten Mal – ernst zu nehmen. Selbstfürsorge bedeutet nicht nur Zeit mit sich selbst zu verbringen, häufig geht es um Soziales. Denn Zeit mit anderen Menschen zu verbringen, uns in Beziehungen zu erleben und Momente mit anderen zu teilen ist ein Grundbedürfnis des Menschen.

Nach Anleitung

Oft werde ich gefragt, was das denn bedeutet, was man denn tun solle. Und dann erkläre ich jedes Mal: Selbstfürsorge ist keine Liste an Verhaltensweisen. Vielmehr ist abhängig von der jeweiligen Situation, was selbstfürsorgliches Verhalten wäre. Es geht darum, eine Beziehung zu sich selbst aufzubauen, die eigenen Bedürfnisse kennen zu lernen und diese auch ernst zu nehmen. Erst wenn ich meine Bedürfnisse kenne, kann ich ihnen gerecht werden. Und genau deshalb kann auch niemand anderes sagen, was Selbstfürsorge für mich ganz konkret bedeutet.

Was ich aber noch mitgeben möchte: Beim Thema Selbstfürsorge geht es genauso um Gedanken wie um Verhalten. Nicht nur die Frage: Wie behandle ich mich selbst? ist hier wichtig. Auch wie ich mit mir rede hat einen enormen Einfluss auf mein Wohlbefinden. Ich möchte Sie daher einladen, heute einfach mal freundlich und wohlwollend zu denken und sich Ihnen selbst auch genauso zu verhalten.

Mehr dazu, wie so ein achtsames Verhalten im Alltag gelingen kann, erfahren Sie hier. Und wer mehr zur Selbstfürsorge lesen möchte, wird hier fündig. Und hier gibts ganz praktische Tipps, wie man die eigene Morgenroutine für die Selbstfürsorge nutzen kann.

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