Rassismussensible Therapie – als weiße Therapeutin

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Schon lange beschäftigt mich das Thema Rassismus – im Studium, im Freundeskreis, beruflich. Immer wieder führt es mich zu meiner eigenen Begrenztheit, Kränkbarkeit, meinen Fehlern und Unsicherheiten. Trotzdem oder gerade deshalb finde ich es wichtig, das Thema sichtbar zu machen, darüber zu sprechen. Ich möchte in diesem Beitrag nicht darüber aufklären, das tun andere bereits und viel kompetenter als ich das könnte. Wer hier danach sucht, dem möchte ich wärmstens die Inhalte von Tupoka Ogette empfehlen. Ihr Buch „Exit Racism“ hat mir immer wieder die Augen geöffnet. Hier die Website dazu. Ich möchte stattdessen darüber sprechen, was für mich als weiße Therapeutin rassismussensible Therapie bedeutet.

Struktureller Rassismus im Gesundheitswesen

Mich bescchäftigt in diesem Zusammenhang vor allem das Reproduzieren rassistischer Diskriminierung im Gesundheitswesen. Und ich bin immer wieder empört, wie wenig es meine Mitmenschen bewegt. Nicht nur, dass übersehen wird, wie wir unsere Mitmenschen wiederholtem Stress aussetzen, der sie krank macht und dann auch noch den Betroffenen ihren Umgang damit vorgeben oder gar vorwerfen. Wenn diese Personen Unterstützung suchen aufgrund der Belastungen, die sie durrch rassistische Diskriminierung erfahren, müssen sie oft genug das Gleiche nochmal erleben. Dabei haben Studien gezeigt, dass uns alle das enorm viel Geld kostet und unser Gesundheitssystem belastet. Wir lassen zu, dass wir unsere Mitmenschen krank machen und zahlen lieber Geld als uns damit auseinanderzsusetzen, dass es Rassismus gibt.

Meine Perspektive aus rassismussensible Therapie

Als Psychologin und angehende Psychotherapeutin bin ich nun Teil des Gesundheitssystems. Ich kann also in stärkerem Maß als viele meiner Mitmenschen Einfluss darauf nehmen, ob Rassismus im Gesundheitswesen reproduziert wird. Indem ich im Kleinen bei mir anfange. Indem ich ansprechbar bin, mich weiterbilde, mich mit anderen Fachpersonen austausche. Und indem ich erkenne, dass all diese Belastungen, die Betroffene erleben, Stress auslösen. Und das bedeutet, dass diese Personengruppe nochmal mehr als wir alle eh schon in unserer Zeit Techniken der Stressbewältigung braucht. Weil jede Kleinigkeit im Alltag Stress durch Rassismus bedeuten kann. Und hier kann und möchte ich ansetzen und Menschen dabei unterstützen, ihre Stressbewältigungsfähigkeiten auszubauen. Deshalb biete ich meinen Kurs „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ für Menschen mit Rassismus-Erfahrungen an.

Was ich nicht leisten kann

Als weiße, deutsch sozialisierte Frau bin ich von Rassismus nicht betroffen. Deshalb ist das eine Perspektive, die ich nicht einnehmen kann und ich kann nicht nicht-rassistisch sein. Einen völlig geschützten Safe Space kann ich also nicht anbieten. Ich kann nicht versprechen, keine Vorurteile zu reproduzieren. Oder immer so zu reagieren, wie mein Gegenüber das bräuchte. Ich kann nur versprechen, ansprechbar zu bleiben. Dabei auf meine Sprache achten und versuchen, einen klar definierten Raum zu bieten indem solche Dinge nicht ungesagt oder ungehört bleiben.

Wer sich in so einem Raum wohl fühlt, ist herzlich willkommen, mir hier zu schreiben.

Wer an einem meiner Kurse teilnehmen möchte, findet hier die Anmeldung.

Und wer zum aktuellen Kurstermin nicht kann, aber grundsätzlich Interesse hätte, über weitere Termine informiert zu werden, kann mir das über das Kontaktformular mitteilen.