Geschwister – eine lebenslange Ressource

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Neben der Beziehung zu sich selbst ist die Beziehung zu den eigenen Geschwistern die längste des Lebens. Das sind die Menschen, die mich meine Kindheit begleiten und in der Regel alle Entwicklungsschritte miterleben. Ob man sich im Erwachsenenleben noch versteht und die Beziehung pflegt sei einmal dahingestellt- es bleibt die längste Beziehung des Lebens. Und gerade das macht diese Beziehung zu einer lebenslangen Ressource.

Deshalb möchte ich eben dieser Beziehung, die in Beratung oder Therapie häufig auch mal untergeht – einen Beitrag widmen.

Du bist mein Sonnenschein

Kinder zu bekommen ist eine Entscheidung, die Eltern für sich treffen. Häufig wird das nicht ausgesprochen oder reflektiert, aber die Eltern entscheiden sich aus bestimmten, ganz persönlichen Gründen dafür ein Kind zu bekommen. Diese Gründe nicht zu reflektieren kann Auswirkungen auf die Kinder haben. Denn unbewusst kommunizieren wir eben schon, welche Erwartungen wir an das Kind haben. Soll es der Start in die eigene Familie sein als Lösung von der Ursprungsfamilie? Oder die Familie gesellschaftlich, finanziell, in Bezug auf Bildung weiterbringen? Ist es der Sonnenschein einer Familie, in der sonst nur Gewitterstimmung herrscht? Welche Rolle auch immer einem Kind zugeschrieben wird, das hat immer auch Auswirkungen auf die Geschwisterbeziehung. Wie soll ich denn mit meinen Bedürfnissen gesehen werden, wenn ich neben dem Sonnenschein ständig die Regenwolke bin? Und wer wäre da nicht neidisch auf den Sonnenschein?

Spiel- und Sparringspartnerschaft

Das führt uns direkt zum Thema Umgang mit Konflikten. Schon sehr früh lernt man im Zusammenleben mit Geschwistern, Konflikte auf bestimmte Art und Weise zu lösen. Sei es, den Neid, den ich auf den Sonnenschein nicht haben darf, zu verdrängen und stattdessen in Leistungsstreben umzuwandeln. Oder der ganz reale Kampf um das letzte Gummibärchen. Sowohl im Spiel als auch im Streit lernen wir, Konflikte auszutragen. Wir erleben uns in Beziehung, bekommen – häufig deutliche – Rückmeldung über unser Verhalten und entwickeln einen Umgang mit den eigenen Bedürfnissen. Und ganz nebenbei schweißt auch das gemeinsame Lernen und Wachsen die Geschwister noch zusammen.

Lebenslange Leidensgenossen

Und dieser Zusammenhalt kann ein Leben lang bereichernd sein. Denn wir erleben nicht nur schwierige Phasen in der Beziehung zu den Geschwistern selbst, sondern durchleben auch schwierige Phasen mit den Geschwistern an unserer Seite. Immer steht ein Verbündeter, eine Verbündete zur Verfügung im Kampf gegen andere Kinder oder die eigenen Eltern. Wir lernen Mitgefühl, lernen helfen und auch Hilfe anzunehmen. Und manchmal erhalten wir ein Verständnis, das den Eltern – eine ganze Generation von unserer Lebenswelt entfernt – einfach fehlt.

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