Psycho-ABC: E wie Emotion

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Wie immer in der Reihe Psycho-AB kann ich unmöglich alles Wissenswerte zum Thema Emotion hier erklären. Ich könnte jetzt die ganze wissenschaftliche Forschung zu diesem Thema zu zitieren. Mir ist aber wichtiger das zu erklären, was im Alltag helfen kann. Damit Sie sich selbst besser verstehen. Viele der hier erklärten Dinge erkläre ich auch in meinen Beratungen und Therapien. Denn oft hilft es schon, zu verstehen was Emotionen sind und welche Funktion sie haben. Dann fällt es den meisten Menschen leichter, die eigenen Gefühle anzunehmen.

Was sind Emotionen?

Emotionen oder Gefühle sind sehr sinnvolle, sehr alte und sehr komplexe Reaktionsmuster. Sie alle helfen, unsere Interaktion mit der Umgebung schnell und zielgerichtet zu steuern. Emotionen haben verschiedene Funktionen. Einerseits sollen sie unsere Wahrnehmung steuern. Und sie sollen unser Überleben als Teil einer sozialen Gruppe sichern.

Emotionen: Warntöne für Bedürfnisse

Das funktioniert so: wir erleben Gefühle meist entweder als angenehm oder unangenehm. Erleben wir ein unangenehmes Gefühl, ist das ein Hinweis. An sich hat jedes einzelne Gefühl eine bestimmte Funktion, aber das ignorieren wir mal für den Moment. Gefühle liefern uns wichtige Hinweise darauf, ob unsere Bedürfnisse erfüllt wurden. Erleben wir ein unangenehmes Gefühl, wurde wohl ein Bedürfnis nicht erfüllt. Wurde ein Bedürfnis erfüllt, erleben wir ein angenehmes Gefühl. Wir spüren also, ob unsere Bedürfnisse erfüllt wurden. Außerdem geben unsere Gefühle auch unserem Umfeld Hinweise darauf, ob unsere Bedürfnisse erfüllt wurden.


In diesem Sinne tragen Gefühle ebenso zu unserem Überleben bei wie Schmerz, Hunger und Durst.


Es ist für uns Menschen entscheidend, dass unsere Kommunikation mit uns selbst und dem Umfeld funktioniert. Denn unsere Überleben hängt davon ab, dass wir unsere Bedürfnisse kennen. Und dann mit Anderen gewinnbringend zusammenarbeiten.

Das allgemeine Emotionsmodell

Es gibt in der Psychologie einige sehr hilfreiche, aber durchaus komplizierte Modelle zu Emotionen. Ich möchte hier ein sehr verständliches und hilfreiches vorstellen. Das Modell besagt: Emotionen sind Netze, die aus jeweils verschiedenen Teilen bestehen. Dazu gehören unsere Wahrnehmung, die Reaktion unseres Körpers, unsere Gedanken und der Handlungsdrang. Das ist der Impuls, etwas zu tun (z.B. „ich würde dem jetzt am liebsten die Meinung geigen“).

In Anlehnung an die Dialektisch Behaviorale Therapie von M. Linehan.

Diese Komponenten funktionieren zusammen wie eine Luftmatratze: Es sind zwar einzelne, klar abgrenzbare Kammern, die sind jedoch untrennbar miteinander verbunden und stehen im Austausch. Auf der einen Seite aufzublasen verteilt Luft in alle Kammern. Jede der Kammern hat ein Ventil, über das Luft ein- oder ausströmen kann. Eine Körperreaktion zu bemerken (z.B. ein erhöhter Herzschlag) kann also einen Gedanken auslösen („Oh nein, jetzt habe ich wieder Herzklopfen“) und somit die Wahrnehmung auf die Körperreaktion lenken. Dadurch verstärkt sich das Gefühl der Angst. Der Drang, der Situation zu entfliehen wird übermächtig. Oft ist die als erstes wahrnehmbare Komponente/ Kammer nicht unbedingt die, an der auch am besten wieder abgelassen werden kann.

Was Sie für Ihren Alltag mitnehmen können

Wie bereits erklärt ist mir bei diesem Psycho-ABC: E wie Emotion wichtig, dass Sie etwas praktisches für den Alltag mitnehmen können. Zur Frage, wie Sie besser mit Gefühlen umgehen können, also folgende Hinweise:

Es gibt vier Chancen, eine Emotion erkennen und benennen zu können. Sie können Ihren Fokus auf diese vier Bereiche lenken:

  • Wahrnehmung
  • Körperreaktion
  • Gedanken
  • Handlungsdrang

Das sind gleichzeitig auch die vier Möglichkeiten, eine Emotion zu verstärken. Und auch die vier Möglichkeiten, eine Emotion abzuschwächen.

Übrigens: eine kinngerechte Erklärung zu Emotionen findet sich im Film „Alles steht Kopf“!